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ANTIQUARIAT
Thierry Nicolas / Gilbert Moreau / Xavier Inguenaud
Trains de France - Années 1950
Promenade ferroviaire du Nord á la Méditerranée
2015; 160 Seiten, Bildband, Format 30,5 x 21,5 cm; gebunden
Text Französisch
Zustand A
Eine Bahnreise vom Norden ans Mittelmeer
Vorwort
Gilbert Moreau (1930–2012) war weder der berühmteste noch der produktivste Eisenbahnfotograf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts;
dennoch war er zweifellos der bescheidenste und – paradoxerweise – einer der vielseitigsten. Als Sohn von Hausmeistern – oder
„Concierges“, wie man damals sagte –
die in einem Gebäude in der Rue Jean-de-La-Bruyère im neunten Arrondissement der Hauptstadt arbeiteten, deutete in seiner Herkunft nichts
auf ein Interesse an der Eisenbahn hin. Doch angezogen von den Geräuschen der Auspuffschläge und Pfiffe, die vom nahegelegenen Bahnhof
Paris-Saint-Lazare herüberwehten, lief er – sobald er alt genug war, um sich dem wachsamen Blick seiner Eltern zu entziehen – zum Pont de
l'Europe. Dort klammerte er sich an das Geländer über den Gleisen und beobachtete das unaufhörliche, rauchgeschwängerte Ballett der
Eisenbahn, das sich unter der Fahrbahn abspielte – völlig ahnungslos von den Werken jener impressionistischen Maler, die einst den Zauber
der Dampflokomotive mit dem Pinsel festgehalten hatten, so wie er es später durch das Betätigen des Auslösers seiner Kamera tun sollte...
##Nach den Strapazen des Weltkriegs – einer Zeit großer Entbehrungen für den in der Stadt lebenden Jugendlichen – begann er seine
berufliche Laufbahn bei einer großen Versicherungsgesellschaft und widmete sich zugleich wieder seiner Leidenschaft für die Eisenbahn;
1946 trat er der AFAC (Association Française des Amis des Chemins de fer – Französische Vereinigung der Eisenbahnfreunde) bei, die ihren
Sitz am Gare de l'Est hatte, unweit seines Wohnorts. Durch den Kontakt zu anderen Größen der Eisenbahnfotografie, die er dort kennenlernte
– wie Y. Broncard, F. Fénino und M. Mertens –, begann er Mitte der 1950er Jahre im Stillen, Bilder eines Eisenbahnsystems festzuhalten,
das einen tiefgreifenden Wandel durchlief (darunter den 1955 von den Lokomotiven CC 7107 und BB 9004 aufgestellten
Geschwindigkeitsweltrekord von 331 km/h). Er nutzte seine Freizeit – oft die Sonntagmorgen – sowie seinen Jahresurlaub in der Normandie
und an der Côte d’Azur, um Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit einer einfachen 6x9-Balgenkamera zu machen, aus der er das Optimum herausholte.
Einige seiner besten Bilder stellte er sogar der renommierten Fachzeitschrift *Chemin de Fer* zur Verfügung, die von jenem Verein
herausgegeben wurde, dem er als eines der treuesten Mitglieder angehörte.
Unter den 1.500 katalogisierten Fotos, die einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten – von Mitte der 1950er bis in die 1970er Jahre –
abdecken, zeigen jedoch neun Zehntel Dampflokomotiven. Wie die meisten Fotografen stellte Gilbert Moreau nach dem Ende des Dampfbetriebs
im Jahr 1975 vollständig auf Farbdiapositive um und richtete sein Objektiv auf moderneres – und damit farbenfroheres – Rollmaterial, wobei
er stets seine charakteristische Zurückhaltung bewahrte. Tatsächlich erfuhr sein Neffe Xavier Inguenaud – dessen Freundlichkeit wir die
Bewahrung und Bereitstellung der hier gezeigten Bilder verdanken – erst im Jahr 2010 durch eine seltene persönliche Mitteilung von der
Fotosammlung seines Onkels! Angesichts der gemeinsamen Leidenschaft für die Eisenbahn ist es wirklich überraschend, dass ein so
umfangreicher und vielfältiger Bestand einem engen Verwandten erst so spät offenbart wurde. Die Qualität dieser bislang unveröffentlichten
Aufnahmen, die meisterhafte Bildkomposition und die Themenvielfalt machten die Auswahl schwierig – und die endgültige Entscheidung
bisweilen zur Qual. Dies veranlasste den Verlag dazu, ein Werk in mindestens zwei Bänden zu planen; der erste, hier vorliegende Band
beschränkt sich bewusst auf die 1950er Jahre und vermittelt einen höchst authentischen Eindruck des effizienten Bahnbetriebs, der für
jenes „goldene Zeitalter“ so charakteristisch war.
Als versierter Modellbahner hatte Gilbert Moreau auf dem Dachboden seines Elternhauses eine großartige – und ebenso wenig bekannte –
Anlage im Maßstab H0 errichtet. Seine Frau hat sie liebevoll genau so bewahrt, wie sie war... ebenso wie die Farbfotos, deren
Veröffentlichung wir uns für die Zukunft wünschen!
Doch lassen wir nicht zu, dass Träume die Realität in den Schatten stellen! Blättern wir nun in diesem wunderschönen
Album eines sachkundigen Liebhabers, der endlich aus der Anonymität tritt – beginnend mit dem Nordnetz, seinem erklärten Favoriten...
Lassen wir die Bilder für sich sprechen!