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ANTIQUARIAT
Guy Charmantier / José Banaudo
Les locomotives diesel de ligne de la premiere generation
1993; 312 Seiten, viele Abbildungen, Format 15,5 x 24,5 cm; gebunden
Text französisch
Zustand B
VORWORT
Der Traktionsbetrieb mit Verbrennungsmotoren – zunächst auf Basis von Benzin-, später von Dieselmotoren – fand seine ersten Anwendungen in
Frankreich während des Ersten Weltkriegs auf Nebenstrecken und ländlichen Bahnlinien. In der Zwischenkriegszeit verliehen Rangiertraktoren
und Triebwagen dieser Antriebsform wesentliche Impulse; eine Entwicklung, bei der Neben- und Kolonialbahnen eine ebenso bedeutende wie
wenig bekannte Rolle spielten.
Unter den großen Bahngesellschaften nahm die P.L.M. eine Vorreiterrolle ein: Bereits 1932 startete sie Versuche mit sieben Prototypen
für den gemischten Betrieb, die als die ersten echten französischen „Diesellokomotiven“ gelten können. In den Jahren 1937/38 wagte sich
die P.L.M. schließlich mit den imposanten Modellen 262-AD und BD an den Streckendienst; sie waren für die Beförderung von Schnellzügen auf
Langstrecken konzipiert.
Da ihre Weiterentwicklung durch den Krieg unterbrochen wurde, erhielten diese „Eisenbahn-Monster“ keine direkten Nachfolger; in der
unmittelbaren Nachkriegszeit kamen stattdessen Lokomotiven für den gemischten Betrieb amerikanischer Bauart oder Prägung zum Einsatz. 1952
unternahm Renault mit den Prototypen 040-DF (Diesel) und 040-GA (Turbine) den Versuch, in den Bereich der schweren Verbrennungstraktion
einzusteigen; 1959 folgte ein weiterer Versuch mit den Modellen 060-GA, doch gelang es nicht, die innovative Turbinen- und
Freikolbenmotorentechnik zu etablieren.
Die erste echte Serienfertigung französischer dieselelektrischer Streckenlokomotiven – die Baureihe 060-DA – erfolgte 1955; sie war für
den Güterverkehr zwischen den Rangierbahnhöfen der Pariser „Grande Ceinture“ (äußerer Güterring) vorgesehen. Ein entscheidender
Fortschritt gelang jedoch im darauffolgenden Jahr mit der Einführung der Baureihe 060-DB – ausgestattet mit schnelllaufenden Motoren – im
Personen- und Güterverkehr auf den Strecken entlang der Atlantikküste. In ihrer französischen Ausführung umfasste die Diesellokomotive
060-DB (später CC-65000) nur eine Kleinserie von zwanzig Einheiten – gebaut zwischen 1956 und 1958 –, ergänzt durch zweiundsechzig
ähnliche, für den Export bestimmte Exemplare. Dennoch widmet dieses Buch ihnen breiten Raum – aus Gründen, die ebenso historischer wie ...
sentimentaler Natur sind. Zunächst einmal waren – und sind – die CC-65000 wunderschöne Lokomotiven. Mit ihrem eleganten Design, ihrer
stolzen, unverwechselbaren Silhouette und Anklängen an amerikanische Einflüsse lassen diese Diesellokomotiven die Atmosphäre der 1950er
Jahre wiederaufleben. Daher widmen wir diesem Aspekt ein eigenes Kapitel und versuchen, die Gestaltung der 060-DB/CC-65000 in den Kontext
der damaligen Bahnästhetik einzuordnen. Doch diese Maschinen waren nicht nur optisch beeindruckend, sie waren auch ein Genuss für das Ohr
– zumindest für einen bestimmten Kreis von Eisenbahnfreunden. Für alle, die das Schnurren eines M.G.O.-Motors zu schätzen wussten (ein
Klang, der in den Triebwagen der Baureihen X-2800 und R.G.P. noch Jahre fortleben sollte), waren die CC-65000 ein Erlebnis: Das Anlassen
einer Mehrfachtraktion unter der Bahnhofshalle von Bordeaux-Saint-Jean oder La Rochelle – mit ihrem Crescendo aus tiefen Bässen und hohen
Tönen – bleibt ein unvergesslicher Moment für jeden Eisenbahnliebhaber.
Über diese subjektiven ästhetischen Eindrücke hinaus wecken die CC-65000 auch aufgrund ihrer objektiven historischen Bedeutung für die
Bahn-Traktion großes Interesse. Diese Lokomotiven bewiesen – nach dem Vorbild anderer Regionen, insbesondere Nordamerikas –, dass sich der
Dieselbetrieb auf Hauptstrecken als Ersatz für die Dampftraktion dort eignete, wo eine Elektrifizierung nicht wirtschaftlich vertretbar
war. Die 060-DB / CC-65000 waren somit die ersten französischen Streckendiesellokomotiven; mit ihren Stärken wie auch ihren Schwächen
ebneten sie den Weg für nachfolgende Diesellokomotiv-Baureihen. Wir hielten es daher für angemessen, sie in den historischen Kontext der
Entwicklung der Dieseltraktion einzuordnen – sowohl weltweit als auch in Frankreich –, bevor wir uns ihren technischen Daten und ihrem
Einsatz im Betrieb widmen.