Die Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina 1867 - 1918
 
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Hersteller:Pühringer - Bahn im Film

Die Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina 1867 - 1918

Schiendl, Werner

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Schiendl, Werner
Die Eisenbahnen in Bosnien und der Herzegowina 1867 - 1918
2015; 432 Seiten, 528 Abbildungen, 40 Pläne, Format 21 x 30 cm; gebunden
 
Das Balkanland Bosnien-Herzegowina, bis 1878 Teil des Osmanischen Reiches, dann bis 1918 Österreich-Ungarns, weist neben etlichen Normalspurbahnplanungen und -bauten die Errichtung des gewaltigsten Schmalspurnetzes Europas in der Spurweite 760 mm mit rund 2000 km Länge auf. Das Buch behandelt und zeigt mit einmaligen historischen Bildern umfassend die Eisenbahngeschichte dieser Ära, die Entstehung und Entwicklung ihrer Strecken in einzigartigen Landschaften sowie ihrer Fahrzeuge, eingebettet in die europäische und besonders österreichische Geschichte des 19. und beginnenden 20.ten Jahrhunderts, auf der Grundlage historischer Dokumente.
 
 
Rezension von Mag. pharm. Alfred Luft
 
Als der Rezensent das erste Mal vernahm, dass sein Freund Werner Schiendl an einem Buch über Bosnien arbeite (er hatte wie sich herausstellte sich schon zwei Jahrzehnte mit dem Thema befasst), dachte er zunächst dass es nach dem schönen, allerdings in englischer Sprache abgefassten zweibändigen Werk von Keith Chester “The Narrow Gauge Railways of Bosnia-Hercegovina” von 2006/2010   eigentlich keines weiteren Buches mehr bedürfe. Damit aber lag der Rezensent, wie er nun freimütig eingesteht, völlig falsch! Anhand zahlreicher von ihm neuerschlossener Primärquellen behandelt hier der Autor die Geschichte der bosnischen Bahnen im historischen Kontext mit der Entwicklung am Balkan im 19. Jahrhundert, als dessen Völker dabei waren sich von der Herrschaft des Osmanischen Reiches freizumachen, was in der Folge eine weitere Reihe von Umbrüchen auslöste. Dabei hat sich der Autor mit Erfolg bemüht, in Balance zwischen einer Verklärung der Zustände in der Monarchie einerseits und der Verdammung alles Östereichischen durch die Geschichtsschreibung des kommunistischen Jugoslawien andererseits eine sachliche Darstellung zu finden. Allein schon dadurch hat das neue Buch seine Berechtigung – und dazu kommt, wie weiter unten im Detail ausgeführt, auch noch die  fabelhafte Bildausstattung. Es sind nämlich nahezu ausschließlich andere Fotos als in den vorangegangenen Bänden von Keith Chester enthalten und noch dazu handelt es sich bei ihnen vielfach um Erstveröffentlichungen!
Noch zur Zeit der osmanischen Herrschaft wurde ab 1867 (daher diese Jahreszahl im Titel) das  Projekt einer “Orientbahn” zwischen Wien und Konstantinopel in Angriff genommen, welches aber bald scheiterte. Was davon blieb war nur die nutzlose weil völlig isolierte 101,6 km-Strecke Banjaluka -- Doberlin auf bosnischem Boden. Als eines der Ergebnisse des Berliner Kongresses von 1878 wurde sodann die militärische Besetzung der Unruheprovinz durch Österreich beschlossen. Der wegen der katastrophalen Straßenverhältnisse alsbald ins Stocken geratene Vormarsch der Okkupationstruppen verlangte gebieterisch nach der Errichtung einer provisorischen militärischen “Rollbahn”. Hierfür bot sich die Baufirma Hügel & Sager an, die nach Abschluss des Bahnbaus Temesvar - Orsova mit Baumaterial, Geräten und vor allem Loks und Wagen dienen konnte. Zufällig hatten diese die Spurweite 760 mm und gänzlich ungeplanterweise wurden sie zur Keimzelle für ein bis 1914 auf 1100 km angewachsenes Schmalspurnetz erstaunlicher Leistungsfähigkeit! Genau beschreibt das Buch im Folgenden die fortwährend von der Politik beeinflussten Ausbauschritte. Als ausstrahlende Fernwirkung wurde in der gesamten Monarchie für Schmalspurbahnen diese Spurweite gewählt damit das Militär im Fall einer Balkankrise  Fahrzeuge requirieren konnte. Diese trat nach dem Juli 1914  auch tatsächlich ein und so wie im Positiven aus paar kümmerlichen Feldbahnfahrzeugen ein riesiges Eisenbahnnetz geworden war so weitete sich diese zum Ersten Weltkrieg aus – und in der Folge war auch der zumindestens im Eisenbahnwesen segensreichen Tätigkeit Österreichs in diesem Landstrich alsbald ein Ende gesetzt.

 Fast nur Gutes darf über die Illustration dieser Veröffentlichung berichtet werden. Musste der Rezensent in der Vergangenheit in schöner Regelmäßigkeit  immer wieder Klage über die mangelhafte Bildwiedergabe bei in Österreich gedruckten Büchern führen so zeigt sich nun, dass es  auch anders geht - die Bilder sind nämlich durchwegs sehr schön gedruckt. Von den rund 550 Illustrationen sind etwa 450 historische Bilder aus der Zeit vor 1918. Von hervorragenden Plattenaufnahmen spannt sich der Bogen bis zu (vielfach kolorierten) Postkarten mit naturgemäß geringerer Auflösung. Hauptlieferanten dieser Bildschätze waren Helmut Griebl und der tschechische Sammler Karel Just mit je über 100 Stück, mit je rund 40 August Zopf und Wilhelm Kurdiovsky  sowie einige weitere im Vorwort namentlich Genannte. Besondere lobende Erwähnung ist dem der Fachwelt bislang verborgenen gebliebenen Familienarchiv Schnack-Herbosegg/Regius zu zollen, welches dem Autor freundlicherweise geöffnet wurde und aus dem ebenfalls ca. 40 wertvolle Illustrationen stammen. Ing. Karl Schnack war nämlich langjähriger hochverdienter Direktor der bosnisch-herzegowinischen Bahnen bis er (ein österreichisches Schicksal!) nach 27 Dienstjahren 1912 zufolge gravierender Unstimmigkeiten mit dem damaligen Finanzminister in die Pension wechselte. Nachdem aus alten Zeiten an landschaftlich markanten Punkten nur recht wenige Aufnahmen existieren sind ergänzend über 100 zwischen 1958 und 1970 angefertigte  Farbaufnahmen von aus der Zeit der Monarchie stammenden Loktypen aufgenommen. Autoren derselben sind etwa zu gleichen Teilen Harald Navé, der Rezensent und Werner Fritthum. Vor allem die wahren Schätze des Letzgenannten hatte viele Jahre im Verborgenen geruht und gelangen hier erstmals an die Öffentlichkeit! Besonders hervorzuheben sind die traumhaften Ansichten vom Ivanpass, dem Neretvatal, der Komarlinie, der bosnischen Ostbahn und der Steilrampe bei Dubrovnik. 

Am Schluss finden sich schließlich penible Quellenangaben, zuerst geordnet nach den Fußnoten zu allen 26 Kapiteln und sodann als Quellen- und Literaturverzeichnis nach Autorennamen gereiht.
In einem so umfangreichen Werk sind natürlich auch Fehler zu finden, deren zwei hier genannt seien: Gleich auf dem Vorsatzblatt scheint in der Mitte unterhalb “Donji Vakuf” irrtümlich  die erst später bis Gornji Vakuf verlängerte Strecke auf, womit der Leser den damaligen Endpunkt Bugojno ( nur 10 km südlich von Donji Vakuf) nicht finden kann wenn er sich in die traurige Geschichte der wegen eigenbrötlerischer Querschüsse der Ungarn nie zustande gekommenen Verbindung nach Spalato/Split vertieft. Auf S. 415 ist entgegen dem Bildtext statt einer Henschelschen 1CC (spätere Reihe 92) eine serbische 1CC1 amerikanischer Provenienz (spätere 93er ) abgebildet, doch was soll´s, der Betrachter darf sich an dem schönen Bild der auf einem sechsachsigen Transportwagen verladenen Maschine erfreuen!  Solche Mängel können jedoch die oben angeführten Qualitätsurteile wahrhaft nicht trüben, sodass dieses in Relation zu seinem Umfang durchaus preiswerte Buch allen an österreichischer Eisenbahngeschichte Interessierten vorbehaltslos empfohlen werden kann!

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