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Die Schmalspurbahn Amstetten - Laichingen

Kenning, Ludger

 
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Kenning, Ludger
Die Schmalspurbahn Amstetten - Laichingen
Reihe: Nebenbahndokumentation 73
2001; 96 Seiten, 18 farb. + 145 s/w Abbildungen, 60 Zeichnungen, Format 21 x 30 cm; gebunden
Zustand A
 
Vor über 100 Jahren erhielt die auf der Hochfläche der Schwäbischen Alb gelegene, vor allem durch die Leinenindustrie gewachsene Stadt Laichingen einen Bahnanschluß. Zwar hatte es nur zu einer Meterspurbahn gereicht (die Regelspur kam weniger aus topografischen, sondern vielmehr aus finanziellen Gründen nicht in Betracht), doch war man in den kleinen, seinerzeit abgeschiedenen Gemeinden sichtlich froh, seine Textil- und Agrarprodukte nun besser absetzen sowie bequemere Reisemöglichkeiten genießen zu können.

   Der Bahnbau war der Schlußpunkt unter einer Reihe von Bahnprojekten, die eine Erschließung der Alb, die 1850 von der Hauptbahn Stuttgart - Ulm berührt worden war, zum Ziel hatten. Aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen nicht nur in den Anrainerorten, sondern auch zwischen den Großstädten Stuttgart und Ulm, sowie der dünnen Finanzdecke der öffentlichen Hand hatte sich die Verwirklichung des Bauvorhabens über drei Jahrzehnte hingeschleppt. Schließlich ergriff der Berliner Unternehmer Arthur Koppel die Initiative und schuf mit der Gründung der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) die Grundlagen zum Bau einiger Nebenbahnen im Königreich Württemberg.

   Das Laichinger Bähnle - auch "Laichinger Bahn" oder "Laichinger Zügle" genannt (erst in jüngster Zeit kam der Begriff "Albbähnle" auf) - war keineswegs eine Kleinbahn mit primitiver Ausstattung, sondern vielmehr eine echte Nebenbahn mit hochwertigen Anlagen und Fahrzeugen. Auch wenn sich der Güterverkehr mit 10.000 bis 30.000 t pro Jahr stets in bescheidenem Rahmen hielt (vom Autobahnbau in den 30er Jahren abgesehen), so leistete er doch über Jahrzehnte hinweg der Wirtschaft und der Bevölkerung wertvolle Dienste. Mit Rollböcken wurden die Normalspurwaggons von Amstetten aus den Stationen der Schmalspurbahn zugeführt. Dieser tückenhafte Betrieb begleitete die Bahn zeitlebens. Anders sah es im Reiseverkehr aus. Benutzten anfangs noch 50.000 bis 120.000 Personen jährlich das Zügle, so kletterten nach dem 2. Weltkrieg die Fahrgastzahlen - bedingt durch einen rapiden Anstieg des Schülerverkehrs - auf 200.000 bis 300.000 - und dabei blieb es bis zuletzt! Lange Jahre genügte der ursprüngliche Fahrzeugbestand vollends, doch dann wanderten viele Fahrgäste auf die Straße ab. Mit der Indienststellung von komfortablen und farbenfrohen Triebwagen sagte die WEG der Straßenkonkurrenz den Kampf an, wobei die Werkstätten Laichingen und Neuffen beim Umbau von Gebrauchtfahrzeugen viel Einfallsreichtum bewiesen. Die interessanten Unikate lockten später so manchen Eisenbahnfan an.

   Noch 1981 gab man dem Bähnle eine Zukunft und sanierte es aufwendig. Die damals letzte öffentliche Schmalspurbahn mit Personen- und Güterverkehr auf dem deutschen Festland präsentierte sich bald wieder in gepflegtem Zustand - und niemand dachte an ein baldiges Ende. Doch schon drei Jahre später war das Schicksal besiegelt. Als die Bundesregierung die Betriebsbeihilfe strich, trennte sich die WEG von der defizitären Strecke. Am 13. September 1985 fuhr der letzte Zug.

   Einen Neubeginn leiteten die Ulmer Eisenbahnfreunde mit der Rettung der Steilstrecke Amstetten - Oppingen und deren Wiedereröffnung als Museumsbahn ein. Es ist immer wieder ein Erlebnis, mit dem von einer Dampflok geführten Albbähnle vom Fuß der Geislinger Steige auf die Schwäbische Alb hinaufzufahren und die urwüchsige Landschaft zu genießen. Nur: Wer kann sich noch vorstellen, wie sehr das Bähnle einst den Alltag auf der Alb geprägt hat?

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